Max Osswald über seine Textsammlung "Quarterlife Crisis"

Max Osswald – Autor, Poetry Slammer und Comedian veröffentlichte vor zwei Jahren seine Textsammlung „Quaterlife Crisis“. Es ist „eine Sammlung an Lyrik und Prosa, die die großen Themen und Krisen behandelt, die jedem jungen Erwachsenen früher oder später begegnen: Unsicherheit, Karriere, Orientierungslosigkeit, Sinn- und Selbstfindung…“ Bei Cappuccino und Bitter Lemon hat er uns etwas mehr darüber erzählt. Das Interview führte Marcel Kückelhaus.

Max, es freut mich sehr, dass das hier heute klappt und ich möchte die gemeinste Frage gleich zu Beginn fragen: Wo genau versteckt sich die „Poetry“ im Poetry Slam?

Im Poetry Slam geht es darum, Gefühle auszulösen. Er ist primär auditiv und darf deshalb nicht zu subtil sein. Natürlich enden große Gefühle dann oft im Pathos, aber dadurch erreicht man die Menschen, vor denen man steht. Dabei ist es auch auffällig, dass die Texte in den wenigsten Fällen von der Person, die auf der Bühne steht, getrennt werden können. Natürlich gibt es auch Leute, die „klassische Lyrik“ machen, bei denen Reime und Metrum bis ins Kleinste stimmen. Ich persönlich mache auf Bühnen eher lustige Prosa. Bei Poetry Slams ist jede erdenkliche Form erlaubt, und vermutlich sind die Veranstaltungen gerade aufgrund dieser Mischung so beliebt.

In der Beschreibung deines Buches heißt es, dass es um Unsicherheit, Karriere, Orientierungslosigkeit, Sinn- und Selbstfindung sowie auch um die Liebe und den Tod geht. Wie kriegst du da all diese Themen unter einen Hut?

Die einfache Antwort ist: Man macht Kapitel. Das erste Kapitel, d.h. der erste Teil, handelt von der Liebe und heißt auch so. Der zweite Teil heißt „Alles andere“. Im ersten Teil ist jeder Text eine in sich geschlossene Entität, wenn man ihn aber klassisch von vorne nach hinten liest, hat man dazu noch einen Handlungsbogen. Die Texte ergaben sich aus meinen Erkenntnissen und meinen Gedanken damals; manches ist persönlicher als anderes und vieles ist einfach nur ein Schnappschuss einer Situation oder eines Zustandes.

Und wie passt der „Tod“ dazu?

Die Menschen treffen Entscheidungen so, als würden sie ewig leben. Viele sind unglücklich mit dem, was sie tun, aber ändern nichts daran. Erst wenn einer Person bewusst wird, dass das Leben nicht ewig ist, merkt sie oft, dass eine (andere) Entscheidung getroffen werden muss. Ich sehe den Tod als „Maß aller Dinge“. Er lässt sich nicht aufhalten und ich halte es für wichtig, sich bei Entscheidungen immer vor Augen zu halten, dass man mal stirbt.

Du hast dein Buch im Self-Publishing herausgebracht. Wie kam es dazu?

Nun ja, zunächst habe ich mich auf einer Buchmesse informiert und geschaut, was es für Verlage gäbe, bei denen ich anfragen könnte. Leider interessieren sich große Verlage in der Regel wenig für Lyrik, vor allem, wenn die Schriftsteller*innen unbekannt sind. Da bleiben dann nur Indie-Verlage oder man muss es selbst machen. Ich hatte von Anfang an eine genaue Vorstellung davon, wie das Buch, das Cover und das Merchandise am Ende aussehen sollten und da habe ich mich entschieden, alles selbst zu machen. Das ist tatsächlich relativ einfach, es gibt weniger Hürden, nur das Marketing muss man dann natürlich auch selbst übernehmen. Das hat bei mir nun relativ gut funktioniert und ich habe bereits 2.600 Bücher verkauft.

Was steht dann nun als nächstes an?

Ich schreibe gerade an einem Roman in dem es, bildlich gesprochen, um das Ausbrechen aus selbstgebauten Gefängnissen gehen soll. Eigentlich dachte ich, dass die Quarantäne sehr gelegen käme, aber am Ende kam noch nicht allzu viel dabei herum. Aber ich habe angefangen und das ist schon einmal etwas!

 

Max Osswald: Quarterlife Crisis (9,99€) ist persönlich beim Autor (via Instagram, Facebook oder E-Mail) und in jeder Buchhandlung deines Vertrauens bestellbar.

Rhein-Neckar-Zeitung, 06.06.2018